GEBURT - Beckenend- oder Steisslage (BEL)
  oder Wenn das Baby mit dem Hintern zuerst geboren wird
 

Bei etwa 3% aller Geburten kommt das baby mit dem Po voran auf die Welt.
In den letzten Jahren ist die Frage der besten Geburtsmethode für Steisslagen in der Fachwelt sehr kontroversiell diskutiert worden.
Die eine Gruppe unter den GeburtshelferInnen meint, dass der Kaiserschnitt die vorteilhafteste Geburtsart sei, die andere Gruppe - zu der wir uns auch zählen - sieht es als erwiesen an, dass die vorliegenden Daten diese These nicht stützen.
In der Geburtsbetreuung nimmt die Vermeidung von BEL breiten Raum ein. Sollte es dennoch zu einer Steissgeburt kommen, intensive Auseinandersetzung mit den Eltern, die letztlich die Entscheidung über den Geburtsmodus treffen.

Einige Basisinformationen

  1. Beckenendlagen enden mit größerer Wahrscheinlichkeit als normale Schädellagengeburten mit einem Kaiserschnitt: 8 % zu 40%. Das hat damit zu tun, dass einerseits BEL-Geburten durchschnittlich langsamer verlaufen und daher wegen zu langer Dauer eher zu Erschöpfung der gebärenden Frau führen und andererseits bei sonstigen Störungen die Entscheidung zum Kaiserschnitt sehr viel großzügiger getroffen wird. Das deshalb, weil es bei BEL-Geburten keine Möglichkeit zu vaginal-operativer Geburtsbeendigung wie Saugglocke oder Zange gibt.
  2. Normalerweise drehen sich Kinder zwischen der 28. und 33. Woche in ihre endgültige Lage (prinzipiell kann es auch noch später vorkommen; allerdings: je länger die Schwangerschaft dauert, desto unwahrscheinlicher wird eine spontane Drehung. Das gilt übrigens auch bei Schädellagen: je länger die Schwangerschaft, desto unwahrscheinlicher die Drehung in eine BEL).
  3. Wir haben im Geburtshaus einen Stufenplan erarbeitet, wie wir mit der Situation BEL umgehen:
    ab 32. Schwangerschaftswoche (SSW) Indische Brücke
    ab 34. SSW Akupunktur und Moxibustion
    ab Ende der 36. Woche Versuch der Drehung mittels äußerer Wendung (Erfolgschance ca. 70%).
  4. Bei erfolglosem Wendungsversuch Besprechung des Geburtsmodus: Versuch der vaginalen Geburt oder ein Kaiserschnitt.

"Indische Brücke" am besten als Partnerübung:
Partner sitzt mit gegrätschten Beinen am Boden, Frau liegt mit dem Becken hochgelagert auf seinen Oberschenkeln, der Rücken am Boden zwischen den gegrätschten Beinen des Partners, die Beine der Frau über die Schultern des Partners. Alternative: Pölster unter den Po und die Beine an der Wand hochgestellt ("Kerze").
Diese Lagerung sollte ein- bis zweimal täglich ca. 10-15 Minuten eingenommen werden.
Frauen nehmen üblicherweise bei erfolgreicher Wendung die Kindesbewegungen anders wahr. Dann sollten die Übungen nicht mehr weitergeführt werden, sondern mittels Ultraschall die Kindeslage kontrolliert werden.

Akupunktur bzw. Moxibustion
Am seitlichen Nagelwinkel der kleinen Zehe (Blase 67) werden senkrecht beidseitig 1-2 mm tief die Akupunkturnadeln gesetzt. Dann werden mit einer Moxazigarre (Beifußkraut) die Nadeln leicht erhitzt und somit dieser Punkt gereizt, bis ein intensives Wärmegefühl entsteht.


Äußere Wendung
Zunächst etwa 20-minütige Überwachung der Herztöne des Babys mittels Kardiotokographie (CTG).
Gleichzeitig wird eine wehenhemmende Infusion in eine Armvene verabreicht.
Danach wird unter Verwendung der Hände durch die Bauchdecke das Baby in die Schädellage gebracht.
Erfolgsrate ca. 70%.
Bessere Erfolgsaussichten bestehen, wenn ein oder mehrere der folgenden Kriterien zutreffen: Die Frau hat schon zumindest ein Baby, der Mutterkuchen ist an der Hinterwand der Gebärmutter, die Fruchtwassermenge nicht vermindert und das Baby ist eher klein.

   
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