GEBURT - EPIDURALANÄSTHESIE
   
 

Die Epiduralanästhesie ist die wirkungsvollste Methode zur Bekämpfung von Geburtsschmerzen.
Wie jede medizinische Intervention kann die Epiduralanästhesie natürlich von Nebenwirkungen und Komplikationen begleitet sein.
Sie sollte daher medizinischen Gründen vorbehalten sein.
Wir bieten im Geburtshaus Nussdorf eine besondere Form, die sogenannten "Walking-EDA" an. D.h. Sie fühlen keine Schmerzen, sind aber üblicherweise in der Lage, herumzugehen.

   
 

Zur Technik
Zur Vorbereitung werden ca. ein Liter Infusionen verabreicht, um unerwünschtem Blutdruckabfall vorzubeugen.
Im Bereich der Lendenwirbelsäule wird mit einer Kanüle ein Zugang zum Epiduralraum (ein Spalt zwischen dem Wirbel und der harten Hirnhaut - Dura mater) geschaffen.
Durch die Nadel wird ein dünner Katheter in den Epiduralraum geschoben und an der Haut mit einem Pflaster fixiert.
Durch den Katheter wird dann ein Lokalanästhetikum in sehr großer Verdünnung und eine kleine Dosis eines starken Schmerzmittels gespritzt.
Der Katheter bleibt bis nach der Geburt an seinem Platz, damit bei Bedarf Medikamente nachgespritzt werden können.

   
 

Die Wirkung
Bei 93% aller Frauen tritt nach wenigen Minuten zufriedenstellende Schmerzstillung ein.
Manchmal hilft gerade dieser Effekt einen Kaiserschnitt zu vermeiden, weil die Schmerzen ohne Anästhesie einfach zu groß wären.

   
  Nebenwirkungen und mögliche Komplikationen

Bei den Frauen
  • Bei einigen wenigen Frauen tritt keine oder nur halbseitige Schmerzfreiheit ein.
  • Immer wieder können Frauen während der Epiduralanästhesie nicht herumgehen.
  • Die Geburt dauert länger. Es ist dreimal wahrscheinlicher, dass Sie ein Wehenmittel zur Wehenverstärkung benötigen.
  • Die Wahrscheinlichkeit auf eine Saugglocken- oder Zangengeburt steigt auf das Dreifache. Ebenso steigt die Wahrscheinlichkeit auf einen Kaiserschnitt um das Doppelte.
  • Es kann zu einem Blutdruckabfall kommen, der entsprechend behandelt werden muß.
  • Bei acht von 1000 Frauen kann es zu Kopfschmerzen kommen, die sich innerhalb von zehn Tagen bessern, in Einzelfällen sogar sechs Wochen dauern können.
    Diese Komplikation kann meist durch eine Eigenblutinjektion in den Katheter behandelt werden.
  • Es kann Hautjucken auftreten.
  • Es kann vorkommen, dass Sie nicht mehr ohne Hilfe urinieren können. Dann muß ein Katheter durch die Harnröhre in die Harnblase eingeführt werden.
  • Unter Taubheit und Schwäche in den Beinen leidet eine von 550 Frauen. Dauerhafte Lähmungen sind extrem selten.
  • Temporäre Übelkeit und Erbrechen.
  • Sehr selten können Nadeln oder Katheter brechen, die danach chirurgisch entfernt werden müssen.
  • Infektionen können auftreten.
  • Bei einer von 4000 Frauen können lebensbedrohende Zwischenfälle auftreten. Die AnästhesistInnen sind ausgebildet, ein solches Ereignis zu beherrschen.
  • Viele Frauen bedauern im nachhinein den Verlust an Autonomie und leiden unter Gefühlen des Versagens.
Bei den Babies
  • Ein Stress für das Baby, der einen sofortigen Kaiserschnitt nötig macht.
  • Anpassungsstörung an das Leben außerhalb der Gebärmutter.
  • Vermehrte Verlegungen an Kinderspitäler wegen des Verdachtes auf Infektionen. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist mehr als viermal höher.

Die Angaben über Wirkungen, Nebenwirkungen und Komplikationen wurden aus vielen internationalen Studien über geburtshilfliche Epiduralanästhesien gewonnen.
   
 

Nachwort
Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie sich eine Epiduralanästhesie machen lassen oder nicht. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, Sie umfangreich und vollständig aufzuklären.
Wir - die Mitarbeiter des Geburtshauses Nussdorf - möchten Sie aber auch über unsere Haltung gegenüber der Epiduralanästhesie informieren. Wir verstehen den Geburtsprozess als einen natürlichen Vorgang, der normalerweise keiner medikamentösen Schmerzbekämpfung bedarf. Manche aus unserem Team betrachten die Geburt eines Kindes als Chance, eigene Grenzen kennenzulernen und das als positive Erfahrung zu erleben. Immer wieder haben wir im Laufe unseres beruflichen Lebens Frauen kennengelernt, die sich durch eine vorschnelle Intervention um eine Chance betrogen fühlten.
Und wie schon zuvor erwähnt: immer wieder haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass eine Epiduralanästhesie geholfen hat, einen Kaiserschnitt zu vermeiden, weil die Schmerzen ohne Anästhesie einfach zu groß wären.

Es ist uns wichtig, dass die Frauen wissen, dass wir ihre Entscheidung respektieren und sie nach bestem Wissen und Gewissen betreut werden.

   
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