WOCHENBETT
  Stillen
 


Stellen Sie sich vor, ein Traumprodukt sei entwickelt worden:
Ein Produkt, das jedes Kind ernähren und bereits in seinen ersten Lebenstagen gegen Krankheiten immunisieren kann.
Muttermilch Energie für Babys
Die Zusammensetzung der Muttermilch ist weltweit gleich, unabhängig davon, was und wie viel eine Mutter isst.
Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate
der menschlichen Milch sind genau auf die besonderen Bedürfnisse der Entwicklung von Menschenbabys abgestimmt.
Langkettige, ungesättigte Fettsäuren sind in Muttermilch reichlich vorhanden. Diese bewirken die optimale Entwicklung des Gehirns und des Zentralnervensystems.
Muttermilch enthält auch Wachstumshormone speziell für das Baby.
Reichlich vorhandene Immunglobuline der Muttermilch unterstützen das noch unreife Immunsystem des Kindes. Muttermilch bietet einen einzigartigen Schutz gegen Infektionen.
Die Ernährung mit Muttermilch ist die wirksamste Allergieprävention. Ein Tropfen Muttermilch enthält 4000 lebende Zellen. Ihre Aufgabe ist es, die Infektabwehr zu unterstützen. Muttermilch wird auch als "weisses Blut" bezeichnet.
Der Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Enzymen der menschlichen Milch ist genau auf die Bedürfnisse des rasch wachsenden Organismus abgestimmt.
Der Bifidusfaktor der Muttermilch bewirkt eine gesunde Darmflora, schädliche Bakterien werden in ihrem Wachstum gehemmt. Die einzelnen Bestandteile der Muttermilch sind optimal aufeinander abgestimmt, d. h. sie haben eine hohe Bioverfügbarkeit.

Muttermilch enthält im ersten Lebensjahr alles, was ein Baby zur Ernährung braucht. Beim Stillen werden alle fünf Sinne des Babys angeregt: Das Baby sieht, spürt, hört, riecht und schmeckt die Mutter. Durch das Saugen an der Brust wird eine optimale Ausbildung des Kiefers und der Mundmuskulatur erreicht. Dies fördert die Sprachentwicklung und Zahnfehlstellungen sind seltener. Die Stillhormone Prolaktin und Oxytocin fördern Ruhe und Gelassenheit der Mutter und stimulieren mütterliches Verhalten.
P.S. Außerdem - Stillen spart den Eltern ca. 70 € pro Monat !


10 Schritte zum erfolgreichen Stillen

1991 wurde von WHO und UNICEF die weltweite Initiative "Babyfriendly Hospital" ins Leben gerufen. Anlass dazu waren die weltweit niedrigen Stillfrequenzen und insbesondere die gefährlichen Auswirkungen der Flaschenfütterung in den nichtindustrialisierten Ländern. Selbstverständlich sind die weitreichenden Vorteile des Stillens aber auch in den Industriestaaten von unschätzbarem Wert. In diesem Zusammenhang wurden gemeinsam von WHO und UNICEF, Richtlinien festgelegt.
Geburtshilfliche Einrichtungen, die diese sogenannten "zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen " nachweislich erfüllen, werden mit einer Plakette als "Stillfreundliches Krankenhaus" ausgezeichnet.

Das Geburtshaus Nussdorf-Team wurde 1999 als ein "Stillfreundliches Krankenhaus" ausgezeichnet, konnte somit mit den von ausgearbeiteten 10 Schritte zum erfolgreichen Stillen, allen betreuten Familien professionell und mit viel Erfahrung, Folgendes bieten:


1.Wir haben über fünfzehn Jahre Praxis und Erfahrung nach den jeweils neuesten Stillerkenntnissen. Wir sind ein kleines Team, bestehend aus Hebammen und Frauenärzten mit wöchentlicher Teamsitzung. Dieser institutionalisierte Erfahrungsaustausch, gewährleistet eine einheitliche Sichtweise und bietet die Basis für ein gutes Stillklima. Bei besonderen Problemen holen wir uns Unterstützung bei speziell ausgebildeten Laktationsberaterinnen. Einheitliche Stillrichtlinien und Fachliteratur befinden sich in unserer Bibliothek.

2. Wir bieten durchgehende Hebammenbetreuung während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett. Die Hebammen sind sehr gut ausgebildet, besitzen langjährige Erfahrung auch in der Hausgeburtshilfe und ambulanter Betreuung und richten ein Hauptaugenmerk auf das Stillen.

3.Schwangere, die bei uns gebären wollen, werden in einem monatlich stattfindenden Informationsabend über Wochenbett und Stillen umfassend informiert. Frauen mit besonderen Ängsten und Problemen wird der Besuch unserer Stillgruppen empfohlen, die dreimal monatlich unter der Leitung einer Stillberaterin stattfindet.

4.Nach der Geburt werden die jungen Mütter/Eltern nicht bei der Wahl des Zeitpunktes der ersten Kontaktaufnahme beeinflusst oder gestört. Wir verstehen diese Augenblicke als besonders wertvoll und intim und empfinden jede Intervention als Störung. Die Frau bestimmt selbst den Moment, in dem sie ihr Kind aufnimmt. Wir achten darauf, Stressmomente des Neugeborenen zu minimieren, gedämpftes Licht, spätes Abnabeln, kein routinemäßiges Absaugen und Ruhe sind selbstverständlich. Die Hebamme schützt das Baby vor Wärmeverlust, indem sie warme Tücher bereithält, ohne jedoch den Hautkontakt zu stören. Sind das Neugeborene und die Frau bereit, hilft die Hebamme beim ersten Anlegen. Sie achtet darauf, dass bei dem ersten erfahrungsgemäß sehr kräftigen Saugen, die Brustwarze richtig im Mund platziert ist. Andere Stillhaltungen oder notwendige Korrekturen der Stillhaltung, werden zu einem späteren Zeitpunkt besprochen und gezeigt. Zu einem viel späteren Zeitpunkt, nachdem das Baby ausreichend saugen konnte, badet meist der Vater mit Unterstützung der Hebamme das Kind. Erst dann wird auch gemessen und gewogen. Voll angezogen wird das Kind erst, wenn der Nachhauseweg angetreten wird ( nach sechs bis vierzehn Stunden). Im Geburtshaus ist eine Trennung von Mutter und Kind unmöglich: es gibt kein Kinderzimmer. Wird ein Kaiserschnitt vorgenommen, wird der Vater ermutigt, anstelle der Frau das Kind in den Arm zu nehmen, es zu baden ... Nach dem Aufwachen aus der Narkose wird das Baby der Mutter in den Arm gelegt und sie wird dabei unterstützt, ihr Kind anzulegen. Immer mehr Kaiserschnitte werden in Spinalanästhesie durchgeführt, was den frühen Mutter- Kind- Kontakt und das erste Stillen sehr erleichtert.

5. Frauen können das Geburtshaus erst verlassen, wenn sie das Baby in zumindest einer Stillposition anlegen können. Zuhause zeigt und erklärt die Hebamme bei den täglichen Hausbesuchen die weiteren Stillpositionen. Des weiteren lernen die Frauen das Abdrücken der Milch, erhalten Hilfe bei Milchstaus und Brustentzündungen. Auch die aufmunternde und psychologische Unterstützung in den ersten Stilltagen ist oft eine wichtige Aufgabe der Hebamme. Sollte eine Trennung von Mutter und Kind notwendig werden, so sind wir bemüht, die Milchproduktion möglichst frühzeitig anzuregen und danach aufrechtzuerhalten.

6. Bei medizinischen Gründen (Gewichtsverlust über 10%) wird gemeinsam mit der Mutter das "Zufüttern" entschieden. Wir achten besonders auf die Harn- und Stuhlausscheidung des Neugeborenen. Im Bedarfsfall versuchen wir alternativen Fütterungsmethoden (Becher, "Fingerfeeding") und es wird evtl. Tee und hypoallergene Nahrung zugefüttert. Möchte eine Mutter trotz Aufklärung über die Vorteile dieses Vorgehens eine andere Ernährung für ihr Kind, wird natürlich ihrem Wunsch entsprochen. Wir raten, mindestens sechsMonate zu stillen.

7. Ambulante Betreuung zu Hause erleichtert das Zusammenwachsen von Mutter, Vater, Kind und Geschwistern. Von zuviel Besuch raten wir ab. Eine ruhige und warme Atmosphäre zu Hause bietet den Schutz eines Nestes, in dem die Kinder gut gedeihen.

8. Jeder Frau wird empfohlen, das Kind nach Bedarf zu stillen. Durch häufiges Anlegen kommt der Milchfluss schneller in Gang und der Milcheinschuss verläuft weniger schmerzhaft und problematisch. Die Mutter lernt die Signale des Kindes zu erkennen und darauf zu reagieren. Jede Mutter und ihr Kind wird als eigene Persönlichkeit gesehen und durch individuelle Betreuung ermutigt, ihren ganz eigenen Weg des ad libidum (Fütterungszeiten nach Bedarf ) Stillens zu gehen.

9. Da sich erwiesenermaßen das Saugverhalten eines Neugeborenen bei Anwendung von künstlichen Stillhilfen, wie Saughütchen oder Schnuller gravierend ändern kann, versuchen wir dies durch aufklärende Beratungsgespräche zu beeinflussen. Bei Kindern mit starkem Saugbedürfnis oder wenn sich die Mutter durch ein ständiges Anlegen überfordert fühlt, wird zuerst gezeigt, wie das Kind am gewaschen Finger saugen kann, bevor ein Schnuller benützt wird. Wir raten den Frauen den Schnuller erst zu geben, wenn das Stillen gut funktioniert und das Kind an Gewicht zugenommen hat. Stillhütchen setzen wir sehr zurückhaltend ein. Zuerst achten wir auf die Anlegetechnik, Stillposition und das Saugverhalten des Neugeborenen. Bei Bedarf werden Fütterungen mit der Pipette vorgenommen.

10. Hebammen sind auch nach Abschluss der meist zwei- bis dreiwöchigen Nachbetreuung immer noch die Ansprechpartnerinnen bei Stillproblemen. Die Frauen erhalten eine Liste mit Telephonnummern von den Stillberaterinnen der LLL (La Leche League) und werden über die regelmäßigen Termine der Stilltreffen im Geburtshaus, geleitet von Laktationsberaterinnen informiert. Viele Frauen nehmen auch die Möglichkeit des von einer Hebamme geleiteten Babynachmittags wahr, um auftauchende Probleme zu besprechen.

Auch wenn das Geburtshaus nicht mehr besteht, bleiben die 10 Punkte inhaltlich natürlich aufrecht, und sind angepasst an die jeweilige Situation weiterhin gültig!


Kontakt und Beratung:
Bei Stillschwierigkeiten kontaktieren Sie bitte:
Die Hebammen von Nussdorf

oder

VSLÖ Verband der Still- und Laktationsberaterinnen Österreichs
Lindenstraße 20
2362 Biedermannsdorf
Telefon und Fax: 02236-72336
e-mail: e.kern@online.edvg.co.at

   

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